Von vielen unterschätzt: Wissen über die Kraft von Worten und ein Bewusstwerden über die Wirkung eigenen Denkens, Redens sowie Handelns macht Sie zum Gestalter Ihrer Beziehungen, Erfolge und damit Ihrer Zukunft!
Mehr erfahren »dass Eltern ihre Kinder seit Generationen mit Sätzen, wie: „Ich habe dir schon tausendmal gesagt…“, „Lass das bloß nicht wieder fallen!“, „So, wie du dich benimmst, muss man sich ja schämen.“, „Siehst du, ich habe es dir ja gleich gesagt.“, „ Das kommt davon, weil du nicht hören kannst.“ konfrontieren?
Wir tun es ebenfalls noch, obwohl diese uns doch als Kind genauso wenig ermuntert haben, das zu tun, was die Erwachsenen von uns verlangt haben, wie heute unsere Kinder. Erinnern Sie sich auch noch daran, wie Ihnen bei diesen Sätzen zumute war? Wenn wir genau in uns hineinhören, dann werden wir zugeben, dass sie mehr Ängste und Selbstzweifel in uns ausgelöst oder unseren Protest geschürt haben, anstatt unser Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken und konstruktiv Anleitung zu geben.
Unsere Eltern oder Großeltern haben uns nach bestem Gewissen erzogen. Sie lebten zu anderen Zeiten. Zeiten, die durchaus von intensiveren Ängsten um die eigene Existenz und Familie geprägt waren. Wir leben in einer neuen Zeit, einer Zeit mit vielen Möglichkeiten und Chancen, wenn wir verstehen, sie zu nutzen. Macht es da nicht mehr Sinn, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken und konstruktiv Anleitung zu geben, anstatt Ängste und Selbstzweifel zu schüren?
Ganz besonders bedeutsam für das spätere Selbstvertrauen und die Eigenständigkeit unserer Kinder ist unsere Kommunikation im Zusammenhang mit deren schulischen Leistungen und Verpflichtungen. Fragen wir uns doch nun einmal selbst, wie viel Vertrauen unsererseits in den nachfolgenden Formulierungen enthalten ist und wie viele sinnvolle Hilfestellungen wir ihnen mit diesen geben:
„Du bist ein richtiger Faulpelz.“, „Das kommt nur davon, weil du so wenig gelernt hast.“, „Wenn du nicht mehr lernst, landest du noch auf der Straße.“, „Trödel doch nicht so herum mit den Hausaufgaben. So wirst du ja nie fertig.“, „Dir scheint ja ziemlich egal zu sein, welche Noten du mit nach Hause bringst.“, „Schreib doch nicht so schlampig, das kann ja kein Mensch lesen.“, „Der Fehler hätte aber nicht sein müssen, das haben wir doch schon tausendmal geübt.“
Auch wenn sie manchmal nach außen hin cool wirken, unsere Kinder nehmen sehr feinfühlig die Botschaften hinter unseren Worten wahr. Aus den Reaktionen von uns Eltern definieren sie ihren Selbstwert, leiten sie ihre Liebenswürdigkeit, ihre Wertigkeit für die Gesellschaft ab. Kinder wollen gute Leistungen erbringen. Sie wünschen sich selbst gute Noten und dass wir Eltern stolz auf sie sind.
Oft mangelt es ihnen vielmehr an dem Wissen, wie sie sich am besten organisieren und wie sie all dieses Wissen verinnerlichen, um es im entscheidenden Moment in der geforderten Art und Weise abrufen zu können.
Ein gutes Zeitmanagement und eine gute Organisationsstruktur lernen sie allerdings leichter, indem wir ihnen ermutigende Worte schenken und sinnvolle Anleitungen geben, anstatt sie voreilig zu verurteilen und zu kritisieren. Nachfolgend ein paar Anregungen wie wir Kinder in den jeweiligen Beispielen ermutigen und inspirieren, anstatt zu demotivieren.
Mit Fragen, wie z. B.: „Wie sicher fühlst du dich in dem Fach X?“ oder „Unter welchen Voraussetzungen würde es dir leichter fallen, für das Fach X zu lernen?“, lässt sich ein „Faulpelz“ sicher leichter führen, als mit einer verletzenden „Du-Botschaft“.
Hinterfragen wir die Ursachen für die „schlechte Note“ mit Formulierungen, wie z. B.: „Wie geht es dir selbst mit dieser Note?“, „Mit welcher Note hattest du gerechnet?“, „Was denkst du, woran es gelegen hat?“, „Was wirst du in Zukunft ändern und wie kann ich dich dabei unterstützen?“, anstatt das Kind zu verurteilen, lassen wir die Verantwortung bei ihm, zeigen Anteilnahme und animieren es zur Selbstreflexion. Auf dieser Basis lassen sich anschließend Ideen zur sinnvollen Unterstützung entwickeln.
Mit aufwertenden Worten, verbunden mit konkreten Anleitungen, wie z. B.: „Du bist ein cleverer Kerl/ein cleveres Mädchen. Wenn du jeden Tag in kleinen Einheiten lernst, kannst du dir die Themen leichter merken und wirst es weit bringen.“, machen wir Kindern Mut, anstatt Angst vor der Zukunft zu schüren.
Ergänzende Aussagen, wie z. B.: „Schau mal, wenn du jetzt in dem Tempo an deinen Aufgaben bleibst, dann bist du um ca. 15:30 Uhr fertig und hast noch 2 ½ Stunden Zeit für deine Freunde.“, motivieren mehr als Beschimpfungen.
Richten wir den Focus auf den Nutzen der gewünschten Handlung mit einer Formulierung, wie z. B.: „Wenn du sorgfältiger schreibst, kann dein Lehrer deine Texte besser lesen und du vermeidest, dass er dir irrtümlich Punkte abzieht.“, dann helfen wir ihnen nicht nur Sinn und Nutzen der Handlung besser zu erkennen, sondern regen sie gleichzeitig an, dieses Verhalten in Zukunft anzuwenden.
Gelingt es uns noch dazu, aus einem „Ja, aber“ („Das hast du schön geschrieben, aber das Wort Fleiß schreibt man mit ´ß´, das haben wir doch schon tausendmal geübt.“) in ein „Ja, und“ zu verwandeln („Das hast du sehr schön geschrieben und wenn du jetzt noch das Wort Fleiß mit ´ß´ schreibst, dann kannst du sehr stolz auf dich sein.“), stärken wir Stärken, anstatt immer nur auf „Fehlern“ herum zu hacken. So fördern wir Kreativität und Inspiration, zwei wesentliche Fähigkeiten, die wir für eine erfolgreiche Zukunft in unserem Zeitalter brauchen.
Nutzen wir die Kraft der Worte, schöpfen wir die Möglichkeiten aus, Kinder zu inspirieren, ihr Vertrauen in sich und die Zukunft und ihren Mut zu stärken, denn wer erfolgreich sein will, braucht den Mut, auch einmal eigene Grenzen zu überschreiten und Fehler zu machen.
Sabine Nerl
Weitere Formulierungs- und Handlungsempfehlungen, auch zu anderen Erziehungsbereichen, wie z. B. Ordnung, Sozialverhalten, Gesundheit & Hygiene, Eigenschaften und Fähigkeiten etc. finden Sie im Sensibility-Training „Kinder inspirieren, statt kritisieren“ sowie dem Trainingsleitfaden zum Thema „Machtkämpfe mit Kindern“.
weitere Infos
© Sabine Nerl
Hösbach, 1. Auflage: 05.02.2013
Hösbach, 2. Auflage: 01.05.2018
Alle Rechte vorbehalten
„Kein gewöhnliches Buch, vielmehr eine Herausforderung an den Leser seine Kommunikation zu überdenken und zu überarbeiten. Ein unschätzbar wertvoller Begleiter nicht nur für Eltern, sondern auch für Fachkräfte in pädagogischen Einrichtungen.“
Manuel Fiege, staatlich geprüfter Kinderpfleger
Mehr erfahren »